»ALDI gibt bekannt …«

Nein, kein übliches Urnengrab im »Spiegel«-Register (»Gestorben«), sondern den Hamburgern in der aktuellen Ausgabe eine eigene Hausmitteilung wert. Und dazu gleich 11 Seiten Kulturgeschichte des »Ur-Discounters« zum Nachlesen, fast schon eine heimliche Titel­geschichte (die es in mageren Nachrichtenwochen wohl auch geworden wäre). Was für eine publizistische Bestattung von Theodor Paul (genannt Theo) Albrecht geht da zu Ende.

Wie erwartet fand sie sowohl auf den Wirtschafts- wie den Feuille­tonseiten statt, und sie muss so was wie der Alptraum aller Bild­redaktionen gewesen sein, denn es standen den meisten Medien ja nur zwei »Theo«-Bilder überhaupt zur Verfügung: wahlweise die beiden Brüder Albrecht sowie das 1970er-Jahre-Brustbild von Theo, von kurz nach der Entführung.

Heimlicher Höhepunkt natürlich die ganzseitige Todesanzeige im FAZ-Feuilleton vom Donnerstag. Die meines Wissens erste und einzige ALDI-Anzeige, die nicht mit den klassischen Worten »ALDI informiert«, sondern »ALDI gibt bekannt« begann – der Bedeutung des Ereignisses angemessen. Die Annonce war im übrigen nicht weniger informativ als die journalistische Berichterstattung insgesamt.

Die nämlich litt, wie immer bei ALDI-Themen, unter der kargen Nach­richtenlage. Gebot der Stunde war es also, wieder mal allerlei ALDI-Mythen aufleben zu lassen: vom symptomatischen Aufbrauchen des alten Briefpapiers (»x-te er Jahre nach der Postleitzahlen-Umstellung 1993 die alte Essener Nummer 4300 einfach aus«, so Hannes Hintermeier in der FAZ) bis zum Brüder-Antagonismus und dem ALDI-Limes, Sinnbild für die wahre deutsche Teilung in einen ärmeren, protestantisch-nüchternen Norden und einen reicheren, sinnenfreudi­geren Süden, ablesbar sowohl am Sortiment als auch an der Filial­gestaltung. Nur mentalitätsgeschichtlich hätten Sachsen und Teile von Thüringen unbedingt ALDI-Süd zugeschlagen werden müssen.

Neu für mich, das ALDI-Südstaatenkind, war übrigens Günter Fruhtrunk als ALDI-Tütendesigner (Nord).

Und noch was für den Korrekturkasten im nächsten »Spiegel« (damit er nicht wieder ausfallen muss wie zuletzt): Die ALDI-Europakarte auf S. 67 stimmt nicht ganz, ALDI-Suisse ist Expansionsgebiet von ALDI-Süd, nicht -Nord. Und weil wir grad dabei sind, noch eine Korinthe zur Titelgeschichte der vorvorletzten Ausgabe (Nr. 29, S. 61): »Über allen Gipfeln ist Ruh …« a.k.a. »Ein Gleiches« ist nicht wirklich ein »Alters­gedicht Goethes«, wie Susanne Beyer schreibt, der Dichter war da 31 Jahre und hatte noch 51 weitere zu leben, also na ja.

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