Lass uns wandern, lass uns schiffen!

 

Liebe Umblätterer,

warum nehmt Ihr euch nicht einmal Friederike Kempners, der »schlesischen Nachtigall«, an, deretwegen Alfred Kerr seinen Geburtsnamen Kempner änderte, weil sie »die schlechtesten je auf diesem Planeten bekanntgewordenen Verse« geschrieben habe (Wikipedia)?

    Während dort der Wolkensturm
    Über Meer und Länder fährt,
    Pickt ganz leis der Totenwurm –
    Wer ihn wohl das Picken lehrt?

Viele Grüße aus München
Euer Claudio

 

11 Zuschriften

  1. Wohl des Planeten – das schlechteste Gedicht des Universums hat ja bekanntlich Paula Nancy Millstone-Jennings aus Greenbridge, Essex, England geschrieben.

  2. Yeah! „Ein Leichenhaus, ein Leichenhaus, so rief sie voller Freuden aus!“ – „Dunkel war die Nacht, Kind im Grab erwacht…“ – es ist wissenschaftlich erwiesen worden (von Prof. Dr. Gunther Witting in seinem Aufsatz über den sogenannten Intentionalitätstrugschluß), dass es sich bei Friederike Kempner und engagierte politische Lyrik handelt und nicht etwa um Komik!!! Sie setzte im alten Preußen die einführung von Leichenhäusern durch, damit kein Scheintoter mehr unter die Erde mußte.

  3. Ohnehin: Die Kulturgeschichte der Taphephobie – ein lohnendes Thema! Die Angst vor dem Scheintod wurde etwa dadurch befördert, dass man in geöffneten Särgen Kratzspuren gefunden hatte. Man denke nur an Dostojewski, der neben seinem Bette stets mittels Notiz befahl, man solle ihn erst nach soundsoviel Tagen begraben.

    Der Scheintote
    Friederike Kempner

    Und er schlief und schlief so lange,
    Daß ihn keine Macht mehr weckte –
    Unsichtbar bei Grabgesange
    Sich der Totgeglaubte – streckte!

  4. Leider ist die Friederike-Kempner-Gesellschaft e.V. (gegründet 1989) sanft verschieden wie einst der faule Hindu aus Kempners „Indischem“:

    Im Gebüsch gestreckt
    Ruhet Hindu faul,
    Gift’ge Schlange leckt
    Gierig sich das Maul.

    Nimmt erst Anlauf dann
    Springt auf Hindu ein,
    Schlägt dem armen Mann
    Giftzahn ins Gebein.

    Hindu fliehen will –
    Glieder sind verkrampft –
    Bet’t zu Buddha still
    Und verscheidet sanft.

  5. Und sie schrieb und schrieb so lange,
    Bis sie keine Macht mehr stoppte.
    Leider nicht viel von Belange
    weshalb man sie später foppte

  6. Also das folgende Gedicht ist wohl nicht im Internet zu finden, aber – wie ich finde – Friederikes größter Kracher:

    Mir egal

    Ob auch Köter bellen
    Und mir Fallen stellen,
    Ich kümm’re mich drum nicht
    Und mach‘ ein hübsch‘ Gedicht!

    (“ Das Leben ist ein Gedichte“ – 1973, Verlag Philipp Reclam Leipzig)

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