»Le corps est le premier et le plus naturel instrument de l’homme. Ou plus exactement, sans parler d’instrument, le premier et le plus naturel objet technique, et en même temps moyen technique, de l’homme, c’est son corps.« (Marcel Mauss: Les techniques du corps, 1934)
Wieder die Anmeldung zum Berlin-Marathon verpasst, musste ich mir einen anderen Lauf raussuchen, eine Woche später: Mitteldeutscher Marathon, 42,195 km von Leipzig nach Halle.
Ich hatte mir seit einigen Wochen vorgenommen, die Hörspielfassung von Rainald Goetz’ »Reich des Todes« anzuhören, und na ja, wann, wenn nicht jetzt. Die leicht diesige Twin-Peaks-Witterung war eigentlich ideal, und die Stimmen von unter anderem Edith Saldanha, Fabian Hinrichs, Burghart Klaußner und Maria Schrader trugen mich über den Elster-Luppe-Deich, durch mitteldeutsche Auenlandschaften und Wälder und Dörfer.

Beim diesjährigen Berlin-Marathon waren es 56.000 Angemeldete, hier nur 450, teilweise war weder vor noch hinter mir jemand zu sehen. Bei Kilometer 36 stolperte direkt vor mir ein Laufkollege, fing sich aber spektakulär mit einer Judorolle ab und lief weiter, wir scherzten noch ein bisschen, und überhaupt ist der gegenseitige Support bei Marathons kaum zu toppen. Kurz danach, bei Kilometer 37, flog mir mit hoher Geschwindigkeit ein Lindenblatt ins Gesicht, hallo Herbst!
Das Hörspiel war da längst zu Ende und ich hatte auf meine Jogging-Playlist gewechselt, und was soll ich sagen, das sporadische Training im Grunewald hatte sich gelohnt, und schneller als erwartet war ich auf dem Marktplatz in Halle und bekam die Finisher-Medaille umgehängt.
Ich trank im Ziel noch zwei Liter Wasser und aß ungefähr drei Äpfel und zwei Bananen, holte dann im Stadthaus meinen Kleiderbeutel ab, joggte zum Bahnhof und sprang in die S5 nach Leipzig.
Und was hatte ich vorsorglich in den Kleiderbeutel gepackt? Die FAS, und blätterte nun also zu Seite 36 und blieb einfach bei Rainald Goetz: »What we owe to each other«.